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Svaba Ortak

Der serbische Link aus Wien: Svaba Ortak
 
Schon im frühen Jugendalter kam Svaba Ortak mit der HipHop-Kultur in Berührung. Stundenlang analysierte er die Reime auf Eminems „The Marshall Mathers LP“, die Zeilen jedes einzelnen Battles in Eminems Film „8 Mile“ sog er regelrecht auf. Die Begeisterung für die hohe Wortkunst wurde durch The Games  „The Documentary“ weiter genährt. Das Debütalbum des Kaliforniers zog Svaba Ortak vollkommen in seinen Bann und erwies sich als wegweisend für sein eigenes musikalisches Schaffen: „Ich kenne jeden Synth auf diesem Album, jede Zeile. Ein Song wie ‚Like Father, Like Son‘, das ist für mich höchste Rapkunst. Das wollte ich auch machen, da wollte ich hin“, betont Svaba Ortak.
 
Doch es waren zu dieser Zeit nicht nur amerikanische Vorbilder. In Österreich wurde Svaba ebenso fündig. 2006 veröffentlichten in Wien RAF Camora, damals noch als Raf0Mic, und Emirez ihre „Skandal EP“. Inhaltlich präsentierten sie auf dieser EP Texte vom Straßenalltag in Wien, vorgetragen über melancholische Beats nach französischer Machart. „Das hat jeder gehört, das war so arg, cooler Straßenrap aus Wien, wir konnten uns alle damit identifizieren“, so Svaba Ortak. Dieselbe Wirkung hatte die Ottakringer Crew Sua Kaan mit den Rappern Aqil und Mevlut Khan, die zur gleichen Zeit ebenfalls mit Straßenrap Wiener Prägung für szeneinterne Furore sorgte. Der Weg zu den ersten eigenen Texten war dann nicht mehr weit. Die Gedanken kreisten sowieso Tag und Nacht um Rap. In der Schule wurden die Bänke mit eigenen Lyrics vollgeschmiert, im Musikunterricht der erste Rapsong aufgenommen. Svaba Ortak erkannte sein Potential in der Kreation von Reimen.
 
Noch zur Schulzeit folgte mit 1503 die Bildung eines ersten Zusammenschlusses mit anderen Rappern. Die dort gesammelten Erfahrungen transportierte Svaba anschließend in eine andere Crew, mit der er sich endgültig in der Wiener Rapszene etablierte: Eastblok lautet der Name eines Kollektivs, das zu dieser Zeit durch kompromisslosen Straßenrap und energetische Liveshows bereits Bekanntheit in Wien erlangte. Bei Eastblok traf Svaba Ortak auf Gleichgesinnte, die nicht nur seinen künstlerischen Werdegang prägen sollten. Zu diesen Personen zählen besonders die Produzenten PMC-Eastblok und Doni Balkan: „Seit dem ersten Tag sind Paul (PMC-Eastblok) und ich wie Pech und Schwefel. Er und Doni Balkan, der später hinzukam, sind für mich große Mentoren, nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern genauso in privater Natur. Es ist wichtig, solche Leute um sich zu haben“, sagt Svaba Ortak.  
 
Harte Arbeit, erste Erfolge
 
Zu Beginn des Jahres 2010 sorgte Svaba Ortak mit der Empowerment-Hymne „Serben in Wien“ für Aufregung und für hitzige Diskussionen im Internet. Diese Aufmerksamkeit nahm beim ersten Video-Release nicht ab: Im November 2010 veröffentlichte Svaba Ortak „DHMW (Du hast mein Wort)“ über YouTube, das schnell fünfstellige Klickzahlen erzielen konnte – zu einer Zeit, in der soziale Medien in Österreich noch in den Kinderschuhen steckten. Sein Rap? Von Azad beeinflusst, aber stark mit Wiener Lokalkolorit versetzt und unüberhörbar die serbischen Wurzeln reflektierend.
 
Diese Wurzeln kamen auch im zweiten Teil von „Serben in Wien“ zum Tragen. Qualitativ überragt der zweite Teil den ersten und zeigt einen Rapper, dem es gelang, sich innerhalb weniger Monate enorm weiterzuentwickeln. Wie beim ersten Teil glühten bei „Serben in Wien II“ die Kommentarfelder – trotz einer Klarstellung des Künstlers auf YouTube. Angesprochen auf „Serben in Wien“, betont Svaba Ortak, dass ihm die Rolle als Sprachrohr der serbischen Community besonders wichtig ist: „Die Kurden sagen, sie haben Haftbefehl und Azad, und die Serben sagen: ‚Wir haben Svaba Ortak!‘ Das war mein Ziel. Und ich bin wirklich froh, dass das geklappt hat. Ich bin quasi wie Link in Zelda. Jemand, mit dem sich die serbischen Kids verbinden können. Ich bin ein serbischer Link!“
 
2011 folgte das Mixtape „Ortak, Alles & Sofort“, die erste richtige Visitenkarte des Rappers, die in kleiner Auflage auf der Straße verkauft, sonst als Free-Download angeboten wurde. Inhaltlich erzählt Svaba Ortak darin auf Mixtape-typischen Fremdbeats wie „Das ist OR!“ von Kool Savas oder „Live by the Gun“ von Tony Yayo Geschichten aus Wien-Mitte, irgendwo zwischen harten Representern und Kopf-hoch-Tracks. Das Tape verschwand in der Folge zwar in den Untiefen des Internets, Svaba Ortak blieb jedoch in den Köpfen der Wiener HipHop-Community.
 
Im gleichen Jahr gründete Svaba mit Pinki und Manijak die Crew Ortak, deren musikalische Ambitionen aber gering ausfielen. Sie hätten mehr das Leben gelebt als Musik gemacht, resümiert Svaba Ortak. Eine Ausnahme. Denn der Wille, mit Rap Karriere zu machen, war ungebrochen, der Hunger noch Erfolg manifestierte sich in jeder Strophe.
 
Fahrt auf der Siegerstraße
 
Zu hören war der Hunger 2014 auf dem Eastblok-Sampler „Alpha“ sowie dem eigenen Mixtape „Kaldrma“, das mit neuer Härte aufschlug. Nach diesen Veröffentlichungen ging Svaba Ortak für knapp zwei Jahre nach Frankfurt, wo sich beiläufig Verbindungen zu deutschen Rappern ergaben. Einige davon versammelte er auf seiner EP „Enter tha Dragon“, dessen Titel auf Svabas Verehrung für Bruce Lee anspielt. Mit Haze, der Svaba Ortak auf dem Track „B-Water“ assistiert, nahm die Zusammenarbeit tiefere Züge an, im Frühjahr 2018 erschien mit „Zukunft“ eine gemeinsame EP.
 
Eine besondere Begegnung ereignete sich 2016, traf Svaba Ortak in diesem Jahr erstmals auf sein Jugendidol RAF Camora. Die beiden entdeckten eine Reihe von Gemeinsamkeiten, abseits der Wiener Herkunft. Die Detailversessenheit, die Arbeitsmoral und ausgesprochene Live-Fähigkeiten sind Elemente, die Svaba und RAF einen. Auf den Bühnen lagen 2018 auch die Highlights für Svaba Ortak: Zunächst eröffnete er vor tausenden Menschen RAF Camoras Homecoming-Show, nur wenige Monate später spielte er auf dem Donauinselfest zur besten Zeit einen eigenen Slot. Die Power seiner Shows ist das Ergebnis von jahrelanger harter Arbeit und genauer Vorbereitung, Inspirationen holte sich Svaba Ortak dabei von amerikanischen Größen wie Tech N9ne oder The Game.
 
Ähnlich vorbereitet ging Svaba Ortak für sein 2019er-Debütalbum „Eva und Adam“ ans Werk, in dem die eigene und die Evolution des HipHop generell in Albumform gegossen werden. Der Grund, warum er dafür mehrere Jahre benötigte, ist naheliegend: „Ich leide an Perfektionismus“, erklärt sich Svaba Ortak. Nicht die schlechteste Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere.

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